Und sie bewegt sich nicht!

Die Evangelische Württembergische Landessynode hat zur Frage der Amtshandlungen in Sachen homosexueller/lesbischer Partnerschaften entschieden.

Heute, am 3. Tag der Landessynode, ging es noch einmal um den Tagesordnungspunkt: "Kirchliches Gesetz zur Einführung einer Ordnung der Amtshandlung anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechtes ..." Gestern war die Einbringung und die Diskussion u. a. mit einem weiter gehenden Antrag der Offenen Kirche, der sinngemäß so lautete, dass die gleiche Amtshandlung "Trauung" (auch nach der vollkommenen rechtlich bürgerlichen Gleichstellung wie die heterosexuelle Ehe) jetzt (bzw. schon lange) auch kirchlicherseits zu vollziehen ist. Dieser Antrag fand keine Mehrheit, wie zu erwarten war. Der Antrag des Evang. Oberkirchenrates - abgeschwächt auf eine öffentlich im Gottesdienst stattfindende Segensfeier, mit viel Handlungsfreiheit für die Kirchengemeinden bzw. dem Pfarrer/der Pfarrerin vor Ort, fand heute in der Abstimmung aber auch keine Mehrheit. 64 Stimmen wären für die 2. Lesung als 2/3 Mehrheit nötig gewesen, 62 wurden es von 96. Zwei Stimmen fehlten.
Wirklich Schade und unverständlich. In der Männerarbeit begegnen uns immer wieder schwule Männer - und nicht nur "unfromme" - die endlich einen Zugang für ihr anders sein durch eine kirchliche Handlungen wünschen, auch wenn es nicht viele sind. Aber es gibt sie. Das emnw ist mit aus diesem Grund auch Mitglied im landeskirchlichen Bündnis "Kirche und Homosexualität".
Im Jahre 2003 hat der Landesarbeitskreis des (damaligen) Evang. Männerwerkes eine Orientierungshilfe zum Thema Homosexualität herausgegeben, die innerhalb der Männerarbeit und der Landeskirche eine weite Verbreitung – und Zustimmung - fand. In ihr wurden die beiden Positionen, die sich im damaligen LAK vorgefunden haben und die es weitesgehend auch in der landeskirchlichen Realität gibt, theologisch fundiert bearbeitet. Am Ende des Papieres ist zu lesen:"Schwierig erscheint uns, zum Verwechseln ähnliche Handlungen noch unterscheiden zu wollen, nur um den Abstand zur Ehe zu wahren. Ein Segen 1. oder 2. Klasse erscheint uns nicht angemessen."
Dass dieser Ansicht bzw. diesem 2. Antrag auf der Synode - nach so vielen synodalen Gesprächen, Informationen und internen Seminaren - und nach verschiedenen theologisch-rechtlich klaren Einbringungen dieser Tage in die Synode, manche Landessynodale auch 2017 immer noch nicht zustimmten, ist zutiefst bedauerlich. Das Ja zu diesem "Kompromissantrag"  hätte sein müssen, wenn man den eindeutigen Apell des Landesbischofs richtig verstanden hätte. Es war ein Abschluss dieses langen innerkirchlichen Prozesses heute in Reichweite, und wirklich kein schlechter für beide Seiten. Aber sie bewegt sich nicht - bzw. manche bewegen sich einfach nicht aus meiner Meinung nach falsch verstandener Bewahrung kirchlicher Tradition. Jesus hat bei der Hochzeit zu Kanaan (die einzige Hochzeitsgeschichte im neuen Testament) keine geistlichen Gedanken geäußert. Es sind kirchliche Traditionen, Handlungen, kirchlich zugesprochene Lebenshilfe, die in Segnung oder Trauung zusammen kommen. Sie tragen nicht den Charakter eines Heilsversprechens wie Taufe oder Abendmahl. Deshalb sind sie auch veränderbar - und haben sich durch die Kirchengeschichte hindurch auch verändert. Oder es führte eben zu Abspaltungen wie die Reformierten zu den Lutheranern, die Baptisten zu Kleinkind-Taufenden etc. Heute sollten wir weiter sein - müssen wir weiter sein, aus der kirchlichen Geschichte gelernt haben. Das 500 Jahre Refo-Jubiläumsjahr ist gerade erst vorüber.
Und nun? Alles zurück auf Anfang? Viel Lärm, Zeit und Geld um nichts. Der Kooperation von Kirche und Staat von der beide seither profitieren und die beide brauchen, wurde mit dieser Entscheidung heute ein sog. "Bärendienst" erwiesen.
Stephan Burghardt